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Warum das Umkehren so schwerfällt

Man spürt längst, dass es so nicht weitergeht – und macht trotzdem weiter. Noch eine Saison. Noch ein Kredit. Noch ein Versuch, das Ruder herumzureißen. Aber warum ist das so?

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© Florian Kainz - Archiv Aqua
Die Wissenschaft liefert erstaunlich klare Antworten. Ein zentraler Punkt ist, dass uns Verluste mehr schmerzen, als uns Gewinne freuen. Der Gedanke, etwas aufzugeben, das einem schadet – einen Acker oder Weingarten, Tiere oder Gewohnheiten, fühlt sich schlimmer an als die Chance auf einen Neuanfang.
Wer Jahre, oft Generationen an Arbeit, Geld und Herzblut investiert hat, kann nicht einfach sagen: „Ich höre auf.“ Das macht den Ausstieg so schwer, selbst wenn er vernünftig wäre. Ein weiterer unsichtbarer Gegner sitzt im eigenen Kopf. Wenn wir wissen, dass etwas nicht gut läuft, wir aber trotzdem weitermachen, entsteht ein innerer Konflikt. Um diesen auszuhalten, beginnen wir, uns die Situation schönzureden. „So schlimm ist es noch nicht.“ „Das nächste Jahr wird besser.“ Es ist kein bewusstes Lügen – eher ein Schutzmechanismus.
Und dann sind da noch die Gewohnheiten. Unser Alltag, unsere Entscheidungen, unser ganzes Arbeiten folgen oft festen Mustern. Veränderung bedeutet, diese Muster zu durchbrechen. Das kostet Kraft, macht unsicher und fühlt sich falsch an – selbst dann, wenn es richtig wäre. In der Landwirtschaft kommen noch die Verantwortung und der Blick von außen dazu. Ein Hof ist kein gewöhnlicher Arbeitsplatz. Er ist Familie, Geschichte, Identität. Aufzugeben bedeutet nicht nur, eine wirtschaftliche Entscheidung zu treffen, sondern auch, ein Stück von sich selbst loszulassen. Und im Dorf? Da wird geschaut, geredet, eingeordnet.
So entsteht ein Kreislauf: weitermachen, hoffen, verdrängen. Sich selbst beruhigen, obwohl die Zahlen und die Gesundheit eine andere Sprache sprechen. Vielleicht liegt die eigentliche Stärke nicht nur im Durchhalten, sondern auch im rechtzeitigen Innehalten. Im ehrlichen Blick auf das, was ist. Für sich selbst, für die Familie und am Ende auch für den Betrieb.
Viktoria Loimer, LQB NiederösterreichViktoria Loimer, LQB Niederösterreich[1611581700825344.png]
DI Victoria Loimer
Psychotherapeutin
LK Niederösterreich
Tel. 05 0259 364
06.10.2026
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Viktoria Loimer, LQB Niederösterreich
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